Von Antje Kaschube, Fachanwältin für Familienrecht · · aktualisiert am 9. Oktober 2026
Wie hoch die Gebühren einer Scheidung ausfallen, folgt aus dem Verfahrenswert und den gesetzlichen Tabellen. Eine andere Frage stellt sich meist erst später: Wer von beiden Ehegatten zahlt am Ende was, wer muss in Vorleistung gehen, und an welchen Stellen lässt sich der Betrag tatsächlich senken? Darauf gibt es klarere Antworten, als viele erwarten.
Die Grundregel: Kostenaufhebung
Wird die Ehe geschieden, sind die Kosten der Scheidungssache und der Folgesachen gegeneinander aufzuheben (§ 150 Abs. 1 FamFG). Das bedeutet zweierlei. Jeder Ehegatte trägt die Kosten seines eigenen Anwalts. Die Gerichtskosten werden geteilt.
Es spielt dafür keine Rolle, wer den Antrag gestellt hat und wer die Trennung wollte. Ein Verschulden am Scheitern der Ehe prüft das Familiengericht nicht, also gibt es auch keinen „Schuldigen“, der die Kosten tragen müsste.
Nur ausnahmsweise verteilt das Gericht anders, wenn die Kostenaufhebung im Einzelfall unbillig wäre (§ 150 Abs. 4 FamFG). Das betrifft vor allem Folgesachen, etwa wenn ein Ehegatte mit einer Unterhaltsforderung weit überwiegend unterliegt. Für die Scheidung selbst bleibt es praktisch immer bei der hälftigen Teilung.
Wer zuerst zahlt
Der Gerichtskostenvorschuss wird beim Antragsteller angefordert. Ohne Zahlung stellt das Gericht den Scheidungsantrag nicht zu, das Verfahren beginnt also nicht. Am Ende kann der Antragsteller die Hälfte dieses Vorschusses vom anderen Ehegatten zurückverlangen und, wenn nötig, im Kostenfestsetzungsverfahren durch das Gericht festsetzen lassen.
Beim Anwalt ist es einfacher. Er rechnet mit seinem eigenen Mandanten ab, nicht mit dem anderen Ehegatten.
Ein Anwalt für die einvernehmliche Scheidung
Den Scheidungsantrag muss ein Anwalt stellen. Der andere Ehegatte kann der Scheidung ohne eigenen Anwalt zustimmen (§ 114 Abs. 4 Nr. 3 FamFG). Dann fallen die Anwaltsgebühren nur einmal an, und das ist der größte Einzelposten, der sich vermeiden lässt.
Eine Einschränkung sollten beide kennen: Der Anwalt vertritt nur den Ehegatten, der ihn beauftragt hat. Beide gemeinsam zu beraten, verbietet das Berufsrecht, weil die Interessen der Ehegatten gegenläufig sein können. Wer zustimmt, ohne selbst beraten zu sein, sollte wissen, worauf er sich einlässt, insbesondere beim Versorgungsausgleich.
Wie die Ehegatten die Anwaltskosten untereinander aufteilen, können sie frei vereinbaren. Viele teilen hälftig, manche nach dem Verhältnis ihrer Einkommen. Gegenüber dem Anwalt schuldet die Vergütung aber nur sein Mandant. Wer sich auf eine interne Teilung verlässt, sollte sie schriftlich festhalten.
Wo sich wirklich sparen lässt
Die Gebühren selbst sind nicht verhandelbar. Ein Anwalt darf die gesetzlichen Gebühren im gerichtlichen Verfahren grundsätzlich nicht unterschreiten. Gespart wird deshalb nicht am Preis, sondern an dem, was überhaupt im Verfahren landet.
Folgesachen außerhalb des Verfahrens regeln. Jede Folgesache, die im Verbund mitentschieden wird, erhöht den Verfahrenswert. Unterhalt, Zugewinn oder die Ehewohnung lassen sich in einer Scheidungsfolgenvereinbarung regeln. Für den Zugewinn und den Versorgungsausgleich braucht eine solche Vereinbarung die notarielle Form oder die Protokollierung vor Gericht. Notarkosten fallen dann zwar an, aber bei größeren Vermögen ist das in der Regel deutlich günstiger als ein streitiges Verfahren.
Kurze Ehe. Hat die Ehezeit bis zu drei Jahre gedauert, findet ein Versorgungsausgleich nur statt, wenn ein Ehegatte ihn beantragt (§ 3 Abs. 3 VersAusglG). Wie sich das auf den Wert auswirkt, beurteilen die Gerichte nicht einheitlich. Auf den Ausgleich zu verzichten, ohne die Anrechte zu kennen, empfehle ich nicht.
Vollständige Unterlagen. Das senkt nicht die Gebühren, aber es vermeidet Verzögerungen. Fehlende Auskünfte zum Versorgungsausgleich sind der häufigste Grund, warum ein Verfahren länger dauert als nötig.
Wenn das Geld knapp ist
Es gibt drei Wege, und sie haben eine Reihenfolge.
Zuerst ist zu prüfen, ob der wirtschaftlich stärkere Ehegatte die Verfahrenskosten vorschießen muss (§ 1360a Abs. 4 BGB, während der Trennung über § 1361 Abs. 4 BGB). Dieser Anspruch geht der staatlichen Hilfe vor.
Besteht er nicht, kommt Verfahrenskostenhilfe in Betracht. Umgangssprachlich ist meist von Prozesskostenhilfe die Rede; im Familienverfahren heißt sie Verfahrenskostenhilfe (§ 76 FamFG). Die Staatskasse übernimmt dann die Gerichtskosten und die Kosten des eigenen Anwalts, je nach Einkommen ganz oder gegen Raten. Die Kosten des anderen Ehegatten deckt sie nicht.
Liegt das Einkommen knapp über der Grenze, ist oft eine Ratenzahlung mit der Kanzlei die einfachere Lösung. Das lässt sich vor Beginn des Mandats vereinbaren.
Häufige Fragen
Kann ich die Scheidungskosten von der Steuer absetzen?
In aller Regel nicht. Seit 2013 sind Aufwendungen für die Führung eines Rechtsstreits vom Abzug als außergewöhnliche Belastung ausgeschlossen (§ 33 Abs. 2 Satz 4 EStG), und das gilt nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs auch für die Scheidung. Eine Ausnahme besteht nur, wenn ohne das Verfahren die Existenzgrundlage verloren ginge. Das ist bei einer Scheidung kaum je der Fall.
Mein Ehegatte will die Scheidung, ich nicht. Muss ich trotzdem zahlen?
Ja, die Hälfte der Gerichtskosten und Ihren eigenen Anwalt, falls Sie einen beauftragen. Daran ändert der fehlende Scheidungswunsch nichts.
Mein Ehegatte zahlt seinen vereinbarten Anteil am Anwalt nicht. Was nun?
Gegenüber dem Anwalt bleiben Sie als Mandant zur Zahlung verpflichtet. Ihren Erstattungsanspruch aus der internen Vereinbarung müssen Sie gegen den Ehegatten selbst durchsetzen. Häufig lässt sich das im Rahmen der übrigen Vermögensauseinandersetzung verrechnen.
Ihre Zahlen können Sie über scheidung-muenchen-online.de einreichen; Sie erhalten dann einen kostenfreien Kostenvoranschlag.
Quellen und Fundstellen
- §§ 76, 114, 150 FamFG
- §§ 1360a Abs. 4, 1361 Abs. 4 BGB (Verfahrenskostenvorschuss)
- § 3 Abs. 3 VersAusglG (kurze Ehe)
- § 33 Abs. 2 Satz 4 EStG
Die kostenfreie Erstberatung erreichen Sie unter 089 99950505. Dieser Beitrag gibt die allgemeine Rechtslage wieder und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.