Von Antje Kaschube, Fachanwältin für Familienrecht · · aktualisiert am 9. Oktober 2026
Sind zuständiges Gericht und anwendbares Recht geklärt, beginnt der Teil, an dem Verfahren mit Auslandsbezug tatsächlich ins Stocken geraten. Er hat wenig mit Paragrafen zu tun und viel mit Urkunden, Postwegen und Fristen. Die rechtliche Einordnung, also welches Gericht entscheidet und nach welchem Recht, steht unter Internationale Scheidung: Welches Gericht, welches Recht?
Die Heiratsurkunde
Das Familiengericht braucht einen Nachweis der Eheschließung. Eine ausländische Heiratsurkunde genügt selten in der Form, in der sie zu Hause im Ordner liegt. Je nach Ausstellungsstaat ist eine Apostille oder eine Legalisation nötig. Für Urkunden aus anderen EU-Staaten entfällt das in der Regel; dort helfen auch mehrsprachige Formulare, die eine Übersetzung überflüssig machen. Manche Staaten stellen außerdem mehrsprachige internationale Auszüge nach den Übereinkommen der Internationalen Kommission für das Zivilstandswesen (CIEC) aus.
Wo nichts davon greift, verlangt das Gericht eine Übersetzung, in der Regel von einer in Deutschland öffentlich bestellten oder beeidigten Übersetzerin. Übersetzungen aus dem Ausstellungsstaat werden oft nicht akzeptiert. Für Beschaffung und Übersetzung sollten Sie Wochen einplanen, bei manchen Staaten Monate. Beginnen Sie damit, sobald die Entscheidung gefallen ist.
Zustellung ins Ausland
Lebt Ihr Ehegatte im Ausland, muss ihm der Scheidungsantrag dort förmlich zugestellt werden. Innerhalb der EU geschieht das nach der Zustellungsverordnung (EU) 2020/1784, zwischen den Behörden, mit Formblättern und gegebenenfalls Übersetzung. Mit vielen Staaten außerhalb der EU gilt das Haager Zustellungsübereinkommen von 1965. Wo kein Abkommen besteht, bleibt der diplomatische oder konsularische Weg.
Das kostet Zeit. Innerhalb Deutschlands ist ein Antrag meist nach wenigen Tagen zugestellt. Bei einer Zustellung in einen Staat außerhalb der EU vergehen nicht selten viele Monate, bevor das Verfahren überhaupt beginnt.
Abkürzen lässt sich das, wenn der Ehegatte im Ausland einen Zustellungsbevollmächtigten in Deutschland benennt oder sich anwaltlich vertreten lässt. Bei einvernehmlichen Scheidungen gelingt das oft. In solchen Fällen spreche ich deshalb als Erstes mit der Gegenseite darüber.
Rentenanrechte im Ausland
Ein deutsches Familiengericht kann Anrechte bei einem ausländischen Versorgungsträger nicht intern teilen. Solche Anrechte sind bei der Scheidung nicht ausgleichsreif (§ 19 Abs. 2 Nr. 4 VersAusglG). Sie bleiben späteren Ausgleichsansprüchen nach der Scheidung vorbehalten (§§ 20 ff. VersAusglG), etwa einer schuldrechtlichen Ausgleichsrente, sobald der Berechtigte selbst Rente bezieht.
Daraus folgt ein Ungleichgewicht, das in der Beratung regelmäßig Thema ist. Hat ein Ehegatte zwanzig Jahre in Deutschland eingezahlt und der andere im Ausland, würde nur die deutsche Seite geteilt. Das Gesetz sieht dafür eine Korrektur vor: Das Gericht kann vom Wertausgleich auch der übrigen Anrechte absehen, soweit dieser für den anderen Ehegatten unbillig wäre (§ 19 Abs. 3 VersAusglG). Verlassen sollte man sich darauf nicht. Besser ist eine Vereinbarung über den Versorgungsausgleich, die beide Seiten kennt.
Gilt die deutsche Scheidung auch im Ausland?
In den Mitgliedstaaten der EU (außer Dänemark) wird sie ohne besonderes Verfahren anerkannt. Das Familiengericht stellt dafür auf Antrag eine Bescheinigung aus, die Sie beim ausländischen Standesamt vorlegen. Außerhalb der EU entscheidet das Recht des jeweiligen Staates, und viele verlangen ein eigenes Anerkennungsverfahren. Klären Sie das, bevor Sie dort erneut heiraten wollen.
Im umgekehrten Fall, wenn Sie bereits im Ausland geschieden wurden, braucht die Entscheidung in Deutschland grundsätzlich eine förmliche Anerkennung durch die Landesjustizverwaltung (§ 107 FamFG). In Bayern ist dafür das Oberlandesgericht München zuständig. Kein Verfahren ist nötig bei Entscheidungen aus anderen EU-Staaten (außer Dänemark) und bei Entscheidungen aus dem Staat, dem beide Ehegatten zur Zeit der Scheidung angehörten.
Was Sie zum ersten Gespräch mitbringen sollten
- Heiratsurkunde und Angaben zu Ort und Datum der Eheschließung
- Pässe oder Ausweise beider Ehegatten, mit allen Staatsangehörigkeiten
- Meldebescheinigungen, auch frühere, aus denen die Aufenthaltszeiten hervorgehen
- Geburtsurkunden der Kinder und Angaben zu ihrem gewöhnlichen Aufenthalt
- einen Ehevertrag, falls vorhanden, auch einen ausländischen
- eine Übersicht über Vermögen und Rentenanrechte im In- und Ausland
- die aktuelle Anschrift des Ehegatten im Ausland, so genau wie möglich
Der letzte Punkt wird unterschätzt. Eine unvollständige Auslandsanschrift kann die Zustellung um Monate verzögern.
Quellen und Fundstellen
- § 107 FamFG (Anerkennung ausländischer Entscheidungen in Ehesachen)
- Verordnung (EU) 2019/1111 (Brüssel IIb), Anerkennung innerhalb der EU
- Verordnung (EU) 2020/1784 (Zustellung in der EU); Haager Zustellungsübereinkommen vom 15. November 1965
- §§ 19, 20 ff. VersAusglG; Art. 17 Abs. 3 EGBGB
Die kostenfreie Erstberatung erreichen Sie unter 089 99950505; einen Kostenvoranschlag erhalten Sie vorab schriftlich. Dieser Beitrag gibt die allgemeine Rechtslage wieder und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.