Von Antje Kaschube, Fachanwältin für Familienrecht · · aktualisiert am 9. Oktober 2026
Wer sich trennt, will meist wissen, wann die Scheidung frühestens möglich ist. Die Antwort hängt weniger vom Gericht ab als von zwei Daten, die die Ehegatten selbst setzen: dem Tag der Trennung und dem Tag, an dem der Scheidungsantrag zugestellt wird. Zwischen beiden liegt in aller Regel mindestens das Trennungsjahr. Was in dieser Zeit geregelt werden sollte und in welcher Reihenfolge, zeigt die folgende Übersicht.
Der zeitliche Rahmen
| Zeitpunkt | Was rechtlich passiert | Was Sie tun sollten |
|---|---|---|
| Trennung | Das Trennungsjahr beginnt (§ 1567 Abs. 1 BGB). Ansprüche auf Trennungsunterhalt können entstehen. | Datum festhalten, dem anderen die Trennung schriftlich mitteilen, Unterhalt gegebenenfalls sofort geltend machen. |
| Erste Wochen | Die Wohnungsfrage stellt sich. Beide dürfen die Ehewohnung zunächst weiter nutzen. | Konten, Vollmachten und laufende Verträge prüfen. Klären, wer wo wohnt und wer die Miete trägt. |
| Bis etwa zum zehnten Monat | Keine neuen Fristen. Die Zeit läuft. | Unterlagen sammeln, Folgefragen besprechen: Unterhalt, Vermögen, Kinder. |
| Kurz vor Ablauf des Jahres | Der Antrag darf gestellt werden, wenn das Jahr bis zur mündlichen Verhandlung abgelaufen ist. | Antrag vorbereiten, Zeitpunkt der Einreichung mit Blick auf den Versorgungsausgleich festlegen. |
| Zustellung des Antrags | Ende der Ehezeit für den Versorgungsausgleich (§ 3 Abs. 1 VersAusglG) und Stichtag für das Endvermögen beim Zugewinn (§ 1384 BGB). | Vermögensstand zu diesem Tag dokumentieren. |
| Termin und Beschluss | Anhörung beider Ehegatten, Scheidungsbeschluss. Rechtskraft nach Ablauf der Beschwerdefrist oder bei Rechtsmittelverzicht. | Mit Rechtskraft endet die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse. |
Warum der Trennungstag so wichtig ist
Der Trennungstag entscheidet über den frühestmöglichen Scheidungstermin. Er ist aber auch für den Unterhalt und das Steuerrecht von Bedeutung. Eine Anmeldung bei einer Behörde gibt es nicht. Das Gericht fragt im Termin nach dem Datum. Nennen beide dasselbe, ist die Sache erledigt.
Streit entsteht, wenn sich die Erinnerungen später unterscheiden, oft dann, wenn einer der beiden aus taktischen Gründen ein späteres Datum nennt. Dagegen hilft nur ein Beleg aus der Zeit selbst: eine E-Mail, in der die Trennung erklärt wird, die Ummeldung, der neue Mietvertrag. Getrennt leben kann man auch in derselben Wohnung (§ 1567 Abs. 1 Satz 2 BGB). Dann kommt es darauf an, dass Haushalt, Mahlzeiten und Schlafräume tatsächlich getrennt sind.
Was während des Jahres erlaubt ist
Das Trennungsjahr ist keine Zeit des Stillstands. Eine neue Beziehung, ein Umzug, ein neuer Arbeitsplatz ändern an der Frist nichts. Respektvoller Umgang wegen der Kinder ebenso wenig. Gemeinsame Kindergeburtstage oder eine abgestimmte Ferienplanung stellen die Trennung nicht in Frage.
Anders liegt es, wenn die Ehegatten wieder zusammenkommen. Ein Versöhnungsversuch über kürzere Zeit unterbricht die Frist nicht (§ 1567 Abs. 2 BGB). Nehmen sie die eheliche Lebensgemeinschaft dagegen dauerhaft wieder auf, beginnt bei einer erneuten Trennung ein neues Jahr. Wo die Grenze liegt, sagt das Gesetz nicht. Die Gerichte sehen etwa drei Monate in der Regel noch als unschädlich an.
Unterhalt nicht aufschieben
Ein Punkt, der in der Trennungsphase oft liegen bleibt: Trennungsunterhalt kann für die Vergangenheit grundsätzlich erst ab dem Zeitpunkt verlangt werden, zu dem der andere zur Auskunft über sein Einkommen aufgefordert oder in Verzug gesetzt wurde (§§ 1361 Abs. 4, 1360a Abs. 3, 1613 Abs. 1 BGB). Ein formloses Gespräch genügt dafür nicht. Wer Unterhalt benötigt, sollte das Auskunftsverlangen deshalb früh und nachweisbar stellen. Die Berechnung folgt im Bezirk des OLG München den Süddeutschen Leitlinien.
Wann die Scheidung ohne Einigkeit möglich ist
Stimmt der andere der Scheidung nicht zu, ist nach einem Jahr Trennung nicht automatisch Schluss. Der Antragsteller muss dann darlegen, dass die Ehe gescheitert ist (§ 1565 Abs. 1 BGB). Das gelingt häufig, etwa wenn einer der beiden erkennbar endgültig mit der Ehe abgeschlossen hat. Nach drei Jahren Trennung wird das Scheitern unwiderlegbar vermutet (§ 1566 Abs. 2 BGB). Eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres ist nur im Härtefall möglich (§ 1565 Abs. 2 BGB).
Antrag und Verfahren in München
Der Antrag wird beim Familiengericht eingereicht, für das Stadtgebiet beim Amtsgericht München, für das Umland beim jeweiligen örtlichen Amtsgericht. Den Antrag muss ein Rechtsanwalt stellen. Der andere Ehegatte kann der Scheidung ohne eigenen Anwalt zustimmen.
Die Dauer des Verfahrens bestimmt meist der Versorgungsausgleich, weil das Gericht die Auskünfte aller Versorgungsträger abwarten muss. Wer seine Rentenunterlagen schon im Trennungsjahr vollständig hat, spart hier Zeit. Sind keine Folgesachen streitig, genügt am Ende häufig ein einziger Termin.
Mehr zu Beginn, Nachweis und typischen Fehlern: Das Trennungsjahr. Die Angaben für den Scheidungsantrag können Sie über scheidung-muenchen-online.de auch online übermitteln.
Quellen und Fundstellen
- §§ 1360a, 1361, 1384, 1565, 1566, 1567, 1613 BGB
- § 3 VersAusglG
- §§ 114, 134 FamFG
Die kostenfreie Erstberatung erreichen Sie unter 089 99950505. Dieser Beitrag gibt die allgemeine Rechtslage wieder und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.