Von Antje Kaschube, Fachanwältin für Familienrecht · · aktualisiert am 9. Oktober 2026
Eine Scheidung mit Kindern unterscheidet sich verfahrensrechtlich weniger von einer kinderlosen, als viele erwarten. Das Familiengericht entscheidet über die Ehe, den Versorgungsausgleich und das, was ein Ehegatte zusätzlich beantragt. Sorgerecht, Umgang und Kindesunterhalt gehören nicht automatisch dazu. Gestritten wird in Trennungsfamilien ohnehin selten über das Sorgerecht. Gestritten wird über Übergaben, Ferien, Geld und darüber, wann das Kind die neue Partnerin kennenlernt.
Was das Gericht bei Kindern ohnehin prüft
Der Scheidungsantrag muss angeben, ob gemeinsame minderjährige Kinder vorhanden sind, wo sie sich gewöhnlich aufhalten und ob sich die Ehegatten über die elterliche Sorge, den Umgang und den Kindesunterhalt verständigt haben (§ 133 Abs. 1 Nr. 2 FamFG). Das Gericht informiert das Jugendamt über das Verfahren, damit es den Eltern Beratung anbieten kann. Im Scheidungstermin werden die Ehegatten auch zu den Kindern angehört und auf Beratungsmöglichkeiten hingewiesen (§ 128 Abs. 2 FamFG).
Mehr geschieht von Amts wegen nicht. Eine Entscheidung über Sorge oder Umgang trifft das Gericht nur, wenn ein Elternteil sie beantragt. Ohne Antrag bleibt es bei der gemeinsamen Sorge.
Was im Verbund mitentschieden werden kann
Folgesachen werden zusammen mit der Scheidung verhandelt und entschieden, wenn ein Ehegatte sie rechtzeitig anhängig macht (§ 137 FamFG). Für die Kinder kommen in Betracht:
| Folgesache | Besonderheit im Verbund |
|---|---|
| Elterliche Sorge, Umgang, Herausgabe des Kindes | Werden nur auf Antrag einbezogen. Das Gericht kann sie abtrennen, wenn das aus Gründen des Kindeswohls sachgerecht ist oder das Verfahren ausgesetzt wird (§ 140 Abs. 2 Nr. 3 FamFG). |
| Kindesunterhalt für minderjährige Kinder | Kann im Verbund geltend gemacht werden. Während der Ehe in Verfahrensstandschaft durch den Elternteil, bei dem das Kind lebt (§ 1629 Abs. 3 BGB). |
| Ehewohnung und Haushaltsgegenstände | Das Wohl der im Haushalt lebenden Kinder ist bei der Zuweisung ausdrücklich zu berücksichtigen (§ 1568a Abs. 1 BGB). |
Ob es klug ist, Kindschaftssachen in den Verbund zu ziehen, hängt vom Einzelfall ab. Ein Streit um den Aufenthalt des Kindes kann die gesamte Scheidung um Monate verzögern. Häufig ist ein selbstständiges Verfahren der bessere Weg, weil es vorrangig und beschleunigt behandelt wird (§ 155 FamFG).
Kindesunterhalt nach der Scheidung
Lebt das Kind überwiegend bei einem Elternteil, schuldet der andere Barunterhalt. Der betreuende Elternteil erfüllt seine Pflicht durch Pflege und Erziehung (§ 1606 Abs. 3 Satz 2 BGB). Die Höhe richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle, also nach dem bereinigten Nettoeinkommen des Zahlenden und dem Alter des Kindes. Das Kindergeld wird bei minderjährigen Kindern zur Hälfte auf den Bedarf angerechnet (§ 1612b BGB).
Über die Tabelle selbst wird selten gestritten. Gestritten wird über das bereinigte Nettoeinkommen: Fahrtkosten, Überstunden, Firmenwagen, zusätzliche Altersvorsorge. Bei Selbstständigen ist in der Regel der Durchschnitt mehrerer Jahre maßgeblich, meist der letzten drei.
Wird das Kind annähernd hälftig von beiden Eltern betreut, sind beide anteilig nach ihren Einkommen barunterhaltspflichtig. Bei einem bloß erweiterten Umgang bleibt es dagegen bei der Zahlungspflicht des nicht betreuenden Elternteils. Der Mehraufwand kann sich aber mindernd auswirken, wie der Bundesgerichtshof 2026 entschieden hat (Beitrag zum asymmetrischen Wechselmodell).
Was sich in der Praxis bewährt
Schreiben Sie die Umgangsregelung auf, auch wenn Sie sich einig sind. Erinnerungen gehen auseinander, sobald neue Partner, neue Wohnorte und neue Arbeitszeiten hinzukommen. Eine Seite genügt: Wochenenden, Wochentage, Ferien, Feiertage, Übergabeort, wer bringt und wer holt.
Regeln Sie die Ferien mit ausreichendem Vorlauf. Wer die Sommerferien im Februar abstimmt, entscheidet nicht unter Druck.
Halten Sie Übergaben kurz. Ein Gespräch über Unterhalt oder Verspätungen an der Wohnungstür, das das Kind mithört, belastet es mehr als ein Gerichtstermin, von dem es nichts mitbekommt.
Und trennen Sie die Themen. Wer Umgang und Unterhalt verknüpft, verliert in der Regel beides: Umgang darf nicht wegen ausbleibender Zahlungen verweigert werden, und Unterhalt darf nicht zurückgehalten werden, weil der Umgang nicht klappt.
Wenn keine Einigung gelingt
Ein gerichtliches Verfahren über Sorge oder Umgang ist kein Scheitern. Das Gericht soll früh terminieren und auf ein Einvernehmen hinwirken (§§ 155, 156 FamFG), das Jugendamt wird beteiligt. Am Amtsgericht München ist das Verfahren in Kindschaftssachen nach dem sogenannten Münchner Modell auf eine frühe, gemeinsame Lösungssuche ausgerichtet. Vor einem Antrag empfehle ich häufig eine Beratung bei einer Erziehungsberatungsstelle. Sie ist kostenfrei, und viele Konflikte lassen sich dort schneller lösen.
Quellen und Fundstellen
- §§ 1606 Abs. 3, 1612b, 1626, 1629 Abs. 3, 1671, 1684, 1568a BGB
- §§ 128, 133, 137, 140, 155, 156 FamFG
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Dieser Beitrag gibt die allgemeine Rechtslage wieder und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.